Angst und Unbehagen begleiten uns in unseren Breitengraden, wenn man mit dem Tod konfrontiert wird oder an ihn denkt. Das ist in anderen Ländern ganz anders. Ich selbst durfte auf meinen Reisen schon ein trauerndes Dorf in China, in Griechenland und Brasilien erleben. Man fragt sich zunächst von außen betrachtet: Was findet da denn statt? Laute Gesänge, offenes Trauern, weiße Gewänder, bunte Farben – das würden wir hierzulande nicht unbedingt mit einem Trauerzug in Verbindung bringen.

Ich nehme Sie mit auf eine Reise durch die Welt und wir schauen mal, wie die Menschen in anderen Ländern trauern.

Hong Kong – China

In China wird sehr darauf geachtet, dass verstorbene Menschen ihre letzte und ewige Ruhe antreten können. Familienmitglieder werden nach dem Tod mit besonderem Respekt behandelt und durch einen prachtvollen Totenschrein und Skulpturen gewürdigt. In manchen Fällen wird sogar ein kleiner Totenschrein gebaut, welcher in einem gesonderten Raum oder Pavillon untergebracht wird. Auf diese Art und Weise wollen die Chinesen den Toten die letzte Ehre erweisen. Alle Habseligkeiten und Kostbarkeiten, die man dem Ruhenden wünscht, werden in Form von real großen Gegenständen aus Pappmarsche geopfert. So steht dann gerne mal ein BMW oder ein Palast aus Pappmarsche sowie gekochtes Essen vor oder neben dem Schrein.

Indonesien

Das singende und tanzende Fest der Toraja ist der Höhepunkt eines jeden Lebens. Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt. Aber eine Insel auf dem Archipel Sulawesi vereint den christlichen Glauben der Missionare und der Naturreligion Aluk. Für das Volk der Toraja ist die Todesfeier das wichtigste Fest. Bei der ausgiebigen Beerdigungszeremonie wird der Leichnam einbalsamiert oder mit Formalin konserviert und im hinteren Teil des Hauses aufgebahrt. Bis zu zwei Jahren kann diese Art von Zeremonie in der Familie gelebt werden. Als Symbol der Macht und der Reichtum steht der Wasserbüffel, der anschließend zum Totenfest geopfert wird. Je höher das Ansehen, desto mehr Wasserbüffel werden geopfert. Während der Feierlichkeit wird getanzt, gesungen und gerangelt. Die Farben sind schwarz und dunkelrot. Die Särge werden sehr kunstvoll gestaltet und Habseligkeiten werden mit in das Grab gegeben, denn die Toraja glauben daran, dass man alle Besitztümer mit ins Jenseits nehmen kann.

Mexiko

Día de los muertos – Das Fest der Toten wird einmal im Jahr gefeiert. Hierzulande glaubt man, dass das Sterben nicht das Ende ist. Kinder und Erwachsene verkleiden sich in der Nacht zum 1. November als prachtvolle und bunte Skelette und überall in den Straßen werden Altare zu Ehren der Verstorbenen aufgebaut. Die Tradition der Ureinwohner besagt, dass in dieser Nacht die Toten auf die Erde zurück kehren, um mit ihren Familien zu feiern. Es gibt besondere Speisen wie Gebäck und Süßigkeiten in Form eines Totenschädels, aber auch den Lieblingsschnaps und Zigarren des Verstorbenen. In dieser Nacht treffen sich Angehörige und Freunde am Grab, bringen Geschenke mit und essen zusammen das Lieblingsgericht des Verstorbenen. Es ist eine Begegnung auf Augenhöhe mit den Ruhende und macht den Abschied ins Jenseits wahrscheinlich etwas leichter, da man weiß, dass man einmal im Jahr zurückkehrt und nicht in Vergessenheit gerät.

Ägypten

Bei den alten Ägyptern wurde zu Ehren der Toten lautstark geklagt, um auf den Tod des Verstorbenen aufmerksam zu machen. Das Klageweib war in der Zeit ein richtiger Beruf. Mit Gesang und Tanz wurden die klagenden Damen beauftragt, die Trauerfeier zu begleiten. Je mehr Klageweiber ein Trauerzug hatte, umso mehr Vermögen hatte der Hinterbliebene. Die Klageprozessionen werden durch Priesterinnen angeführt. Zum Klagen gehören auch Handlungen wie das Bewerfen mit Asche und das Schlagen auf den eigenen entblößten Oberkörper.

Durch die Islamisierung wurde die Trauerkultur ebenfalls geändert. Lautes Klagen könnte Ausdruck des Zweifelns an Gottes Entscheidung angesehen werden. Daher wurde danach eher im Ruhigen prozessiert. Denn im muslimischen Glauben gilt das irdische Leben als Vorstufe zum Paradies. Die Verstorbenen werden gewaschen und dann in ein weißes Laken gehüllt. Ein Sarg wird nicht genutzt. Stattdessen wird der Leichnam im Tuch in ein Grab gelegt mit Blickrichtung gen Mekka. Männer und Frauen trauern getrennt: Die Frauen zu Hause, die Männer in der Öffentlichkeit.