Wie gern würde ich nochmal…

Der Wünschewagen des ASB Hamburg ist seit Oktober 2017 auf den Straßen der Hansestadt unterwegs, um Menschen in ihrer letzten Lebensphase an ihre Wunschziele zu bringen. Kostenlos und begleitet von zwei qualifizierten, ehrenamtlichen Helfern, die die Fahrgäste medizinisch-pflegerisch versorgen.

Seit 2018 unterstütz auch ich den ASB Wünschewagen Hamburg im Organisationsteam. Im zweitägigen Einführungsseminar lernen wir Teilnehmer von vielen Wünschen, die schon erfüllt werden konnten, viel zur Trauerbewältigung und den Umgang mit totkranken Menschen. Seitdem ist viel passiert und die Projekte des Wünschewagens wachsen stets.

Am 20. Juli 2020 darf ich als stadtkundige Wunscherfüllerin für einen kranken Mann mit zwei weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern auf Tour sein. Einmal noch zum Hafen, einmal noch an die Alster, einmal noch zur Elbphilharmonie, einmal noch Fisch essen – das waren die Wünsche des Fahrgastes. Es gibt viele Wünsche, die man erfüllen kann. Und wenn nicht mehr so viel Zeit bleibt, muss es manchmal schnell gehen. Innerhalb einer Woche wird die Fahrt von den Verantwortlichen organisiert. Und selbst am Tag der Fahrt gibt es auch noch Änderungen im Ablauf, da alles irgendwie anders kommt als gedacht, so dass die Fahrt auf der Kippe steht.

Zwei Stunden nach vereinbarter Zeit brechen wir in Richtung Blankenese auf. Vorne am Steuer sitzt mein Kollegin, die Sanitäterin ist, und neben ihr meine Kollegin aus der Pflege – Stammbesatzung auf dem Wünschewagen. Ich nehme hinten beim Fahrgast Platz.

Einmal noch den Strand von Blankenese sehen.

“Hier habe ich immer gebadet. Es war so eine schöne Zeit.” Entlang der Elbe geht es zum Fischmarkt und ich erfahre viele über unseren Fahrgast. Wir lachen über so manche Erinnerungen. Zum Glück können wir auch an manchen Orten aussteigen und den Blick schweifen lassen, so z.B. in Blankenese am Unterfeuer, im Museumshafen Ovelgönne, an den Landungsbrücken und an der Alster. An den Landungsbrücken gibt es das typische Fischbrötchen. Gestärkt geht es zur Elbphilharmonie. Wir besuchen mit Maske, Rollstuhl und extra Genehmigung die Plaza und haben einen 180 Grad-Blick auf 37 Metern Höhe. Beeindruckend für den Wahl-Hamburger – seine Stadt, sein Hafen, seine Elbe – alles zum Greifen nah!

Benommen von den ganzen Eindrücken wird der Wünschewagen kurz mal umgebaut. Aus einem Sitz wird eine gesicherte Liege, auf dem unser Fahrgast entspannen kann. Wir fahren an die Alster – einmal rum. Bei der Imam Ali Moschee kommt er ins Träumen. “Da wollte ich immer schon einmal rein und habe es noch nie geschafft.”

Wir versuchen einen spontanen Besuch mit Maske und unser nicht ordnungsgemäß vorhandenen Kleidern für die Moschee zu ermöglichen. Zum Glück geraten wir an den Imam, der uns an die Hand nimmt. Wir dürfen sogar mit in den Gebetsraum und wir bekommen eine Einweisung. Unser Fahrgast kann sein Glück nicht glauben. Aber nach all den Eindrücken lässt die Kraft langsam nach und wir bedanken und verabschieden uns von diesem sehr besonderen Ort. Unser Fahrgast wird sogar gesegnet.

Ich habe auf dieser besonderen Fahrt viele Glücksmomente erleben dürfen und bin ganz beseelt.

“Danke, ich habe heute viel von Ihnen gelernt. Bitte vergessen Sie mich nicht”, bat mich unser Fahrgast.

“Wie könnte ich das?” Ich denke immer wieder viel an ihn. Ich weiß leider nicht, wie es ihm geht. Aber ich weiß, dass er seinen Wunsch erfüllt bekommen hat und zwar von “seinen drei Engeln”, wie er uns drei Ehrenamtler nannte.